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Gehen
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Reden 
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Sein

 

Worte, die entstehen, wenn Stille sich bewegt. 

Gedanken vom Weg — 

für Menschen, die ankommen, wenn sie gehen.


 

Wer suche der finde! Wirklich?

Diesen Text habe ich nicht geschrieben – zumindest fühlt es sich heute nicht so an. Er ist entstanden, wie so vieles entsteht, wenn man genau hinsieht und den Gedanken Raum gibt.

Als ich ihn nach langer Zeit wieder las, stellte ich mir selbst eine Frage: Wie konnte ich das damals schreiben? Ich wusste doch noch gar nichts von all dem, was mich Jahre später beschäftigen würde. Und dennoch zieht sich ein roter Faden hindurch, als wäre er schon immer da gewesen.

Findest du ihn?

Das Leben war so einfach, so unkompliziert. Es war ein ständiges Kommen und Gehen der Tage. Bei jedem Schritt, bei jedem Tritt eine neue Entdeckung, ein neues kleines Wunder, etwas Neues zum Bestaunen.

Ein ganzes Universum vollkommener Unvollkommenheit. Der Blick noch weit, das Innerste offen, ohne große Bedürfnisse – ein Leben in der Natur des Momentes.

Alles was von Nutzen war, war da.

Geruht wurde im Schatten, gegessen von Bäumen, gelebt in der Gemeinschaft, gestritten im Angesicht, geliebt in und von der Natur. Götter waren hohe Berge, tiefe Täler oder die dunkle Finsternis einer geheimnisvollen Höhle. Bäche und Flüsse die Ader des Lebens, und die Bewohner der verschiedenen Landstriche waren sich einig.

Der Tod immer allgegenwärtig – umso mehr Wertschätzung auf das Leben. Auf den Moment. Auf ruhige Tage und Nächte. Der Morgen war das Rätsel, das einem die Nacht stellte. Denn in den finstersten Stunden des Tages verschwanden welche, die nie wiederkamen.

So ging es eine lange, lange Zeit.

Es war genau so wie es sein sollte. Alles im Gleichgewicht. Doch eines Tages geschah etwas, das die Waage so beschwerte, dass sie für immer aus ihrem Gewicht kam und seither nicht mehr ins Gleichgewicht fand.

Der erste Suchende betrat die Weiten.

Was er suchte, war damals noch nicht klar. Wonach aber im Laufe der Jahrtausende gesucht wurde, ist unaufzählbar.

Doch ganz vorne steht die Anerkennung. Nicht nur die der anderen, sondern auch die seiner selbst. Es ist die Liebe – nicht die allumfassende Ganzheit der Liebe, eher dieser schnelle Kick. Und dann wäre da noch die wichtigste Sache von allen: der Sinn.

Sinn für das was ist, Sinn für das was war und für das was wird.

Alles musste auf einmal sinnvoll sein. Etwas ohne Sinn war nutzlos oder sogar gefährlich. Drum wurde gesucht. Es entstanden ganze Gebiete, die sich nur auf das Suchen spezialisiert haben. Wissenschaften, deren Zweck es ist, Suchende zu rekrutieren und ihnen den Sinn des Suchens zu diktieren.

Die ersten dieser Suchenden wollten ihr Umfeld verstehen. Ihre Umgebung sortieren in Sinn und Unsinn. Werte verteilen – alles hatte nun irgendeinen Wert. Es entstanden daraufhin Strukturen, die das Suchen belohnten. Der Lohn konnte aber niemals so hoch sein wie der Preis, der dafür gezahlt wurde. Der Verlust, der so zustande kam, wurde im Laufe der Jahrtausende mit immer mehr Werten gefüllt, sodass es den Anschein machte, es gäbe keinen Verlust.

Doch die Wahrheit ist erschreckend traurig.

Ganze Massen an Leben, die in den Untiefen einer digital gewordenen Wüste aus Datenfragmenten nach neuen Wahrheiten suchen und sich verlieren. Da sie versuchen, mit diesen neuen Erkenntnissen Verluste der Vergangenheit zu füllen. Wer in ein Labyrinth geht, das von Suchern errichtet wurde und nur den Sinn hat, dich weitersuchen zu lassen, wird darin immer eine Antwort finden:

Geh tiefer, such mehr, irgendwann wirst du finden.

Doch traurigerweise hat Finden nie etwas mit Suchen zu tun. Denn Finden ist nicht das Ergebnis einer Suche – es ist das Spiegelbild. Der Suchende hat einen eingeschränkten Tunnelblick, er ist fixiert auf sein Ziel, auf das Ergebnis. In seinem Wortschatz sind Worte wie Hindernisse, Schwierigkeiten und Unmöglich Standard.

Der Finder ist zufrieden mit dem Ergebnis, das sich einstellt. Er ist offen für Veränderung und sieht darin neue Möglichkeiten und keine Hürden. Er findet Wege, die nicht nur ihn weiterbringen, sondern alle in seinem Umfeld.

Warum gibt es nicht mehr Finder?

Weil das Finden schwer ist. Allein das Verständnis des Findens setzt ein langes Suchen voraus. Im Grunde werden alle als Sucher geboren. Und vielen ist dieser Weg auch vorbestimmt, da er einfach und bequem ist. Es erfordert nicht viel, einfach so weiterzumachen wie alle anderen. Der Weg wird täglich von vielen vorgelebt – man muss ihm nur folgen.

Finden bedeutet, sich von diesem Weg zu trennen. Das heißt nicht nur ein wenig links und rechts zu schauen, sondern seinen eigenen Weg zu finden. Zu errichten.

Zu gehen.

Finden ist die Entscheidung, glücklich zu werden – aber auch unglücklich. Finden ist nicht, diese Zustände als Ziel zu setzen, sondern sie auf dem Weg zu erleben. Finden ist Leben im Moment.

Wer aufhört zu suchen, wird nicht automatisch zum Finder.

Wer aber aufhört zu suchen und bereit ist, Finder zu sein – nicht zu werden, sondern wirklich zu sein – der wird es auch in diesem Moment.

Denn wer sich nur auf das Suchen konzentriert, verliert das Finden.

Und jetzt interessiert mich deine Meinung.

Wie hast du diesen Text erlebt? Welche Gedanken oder Gefühle hat er in dir ausgelöst?Schreib mir gerne einen Kommentar – ich freue mich auf den Austausch mit dir.

Vielen Dank fürs lesen!

Andreas Kussmann

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